Verwendung von Blei beim Angeln

Um Köder am Grund oder in einer bestimmten Tiefe anzubieten sind Beschwerungen in der Angelei kaum wegzudenken.
Um Köder am Grund oder in einer bestimmten Tiefe anzubieten sind Beschwerungen in der Angelei kaum wegzudenken.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) diskutiert bereits seit Juli 2019 über die Risiken bei der Verwendung von Blei im Rahmen der Freizeitfischerei in Europa. Am 18.11.2020 gab es dazu einen (virtuellen) Runden Tisch mit Vertretern der Angelgerätehersteller, Handel und Fischereiverbänden.

Historie

Die Verwendung von Blei im Rahmen der Freizeitfischerei wird in der EU seit vielen Jahren kritisch gesehen. Bereits im Jahr 2014 wurde im Rahmen der „Convention on the Conservation of Migratory Species and Wild Animals“ (COP11), ein so genannter Leitfaden erarbeitet, welcher ebenfalls das Vergiftungsrisiko von Zugvögeln durch Blei thematisierte. Darin enthalten war auch ein Kapitel über Bleibeschwerungen beim Angeln und damit verbundene Empfehlungen, die Nutzung dieser zu reduzieren.

Einige Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wie beispielsweise Dänemark und Schweden sowie das kürzliche ausgetretene Vereinigte Königreich haben den Verkauf bzw. die Verwendung von Blei beim Angeln bereits eingeschränkt. So gibt es in Dänemark seit 1998 ein Verkaufsverbot für Angelgeräte, die Blei enthalten. Auch in den USA ist die Verwendung von Blei beim Angeln für alle Gewässer, die vom US Fish & Wildlife Service bewirtschaftet werden, bald verboten. Der Erlass wurde einen Tag vor Ende der Amtszeit von Präsident Obama unterschrieben und sieht vor, dass das Angeln mit Blei maximal nur noch bis zum Januar 2022 erlaubt ist.

Der Prozess ist in der EU noch in einer frühen Phase, aber eine Studie der ECHA aus dem Jahre 2018[1] kommt zu dem Ergebnis, dass es ernstzunehmende gesundheitliche und umweltrelevante Risiken gibt, welche eine Verwendung von Blei für Jäger, Sportschützen (Schrot und Patronenkugeln), Angler (Gewichte und Köder) und Berufsfischer (Netze und Seile) in Frage stellt. Die ECHA schätzt, dass jedes Jahr zwischen 2000-6000 Tonnen Blei durch das Angeln in die Gewässer der EU eingetragen werden. Die Berufsfischerei kommt in diesem Zusammenhang sogar auf 2000-9000 Tonnen pro Jahr. Diese Werte sind jedoch mit vielen Unsicherheiten verbunden, da sich diese auf Marktanalysen beziehen und sich somit primär auf den Verkauf von bleihaltigen fischereilich- oder anglerisch erzeugten Produkten stützen.[2]

Ausblick

Derzeit erarbeitet die ECHA unter Beteiligung der verschiedenen Interessengruppen ein so genanntes „Restriction Proposal“ – also einem Beschränkungsvorschlag. Dieser Vorschlag soll im ersten Quartal 2021 an das Risk Assessment Committe (RAC) sowie dem Socio-Economic Analysis Committee (SEAC) übermittelt werden. Ab März 2021 erfolgt dann eine Öffentlichkeitsbeteiligung bis voraussichtlich September 2021. Nach weiteren internen Abstimmungen wird das finale Dokument dann im zweiten Quartal 2022 an die Europäische Kommission übergeben. Nach dem derzeitigen Stand[3] plant die ECHA ein Verbot für den Verkauf und die Verwendung von Bleigewichten beim Angeln ≤ 50 g in drei Jahren; > 50 g in fünf Jahren und ein sofortiges Verbot für Angeltechniken, bei denen Bleigewichte vorsätzlich verloren gehen. (so genannte „lead drop off techniques“).

„Alle Schwäne in UK gehören der Queen“

Es ist umstritten, in welcher Form sich ein verlorenes Blei beim Angeln im Gewässer möglicherweise negativ auf die Umwelt auswirkt. Im Unterschied zur Jagd tritt das Blei in der Regel nicht in den Organismus von Fischen ein und damit auch nicht in den Nahrungskreislauf. Darüber hinaus sind uns keine belastbaren Messwerte bekannt, dass verlorene Angelbleie die Bleikonzentration in angelfischereilich genutzten Gewässern erhöht haben. Im optimalen Fall oxidiert das Blei, sedimentiert am Gewässergrund und geht demzufolge nur in sehr geringem Maße in Lösung. Es gibt jedoch vereinzelt Berichte, dass gründelnde Wasservögel möglicherweise kleine Bleischrote bei der Nahrungssuche versehentlich aufnehmen können.[4] Viele Vögel müssen Steine aufnehmen, um damit ihre Nahrung (Körner/Samen), im so genannten Muskelmagen, zu verarbeiten. So gibt es Berichte[5] über verstorbene Schwäne (Cygnus olor) in England, die auf die Aufnahme von Angelblei zurückzuführen waren. Diese Geschehnisse reduzierten sich jedoch durch das Verbot von Blei zwischen 0,06 - 28,35 Gramm ab dem Jahre 1987. Die ECHA bezweifelt das diese Probleme nur in UK und Irland vorliegen, da Blei beim Angeln in den meisten Mitgliedsstaaten in Europa allgegenwärtig ist.

Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Alle wilden Schwäne in England gehören der Queen. Jedes Jahr im Juli lässt Queen Elizabeth II. die Höckerschwäne entlang der Themse zählen. Nehmen Wasservögel Blei als so genannte Mahlsteine für ihren Muskelmagen auf, zersetzt die aggressive Magensäure laut den angeführten Studien das Schwermetall und die Vögel nehmen Schaden. Das mag ein Umstand sein, warum die Verwendung von Blei beim Angeln in UK bereits verboten wurde.

Während Schwäne nur in geringen Wassertiefen gründeln ca. 1,5 -2m. Gehen Stockenten auch schon mal bis 3 m Tiefe, ein Blesshuhn bis ca. 7 m. Tauchenten, wie z.B. die relativ häufige Reiherente, teilweise noch tiefer. Dazu sind 1-4 Meter wohl auch die gewöhnlichen Angeltiefen für das Stippangeln mit Klemmbleien.

Es geht bei dem Umgang mit Blei nicht nur um das Angeln selbst

Laut ECHA geht es aber nicht nur um den Verlust von Blei im Gewässer. Auch die Herstellung, Verarbeitung, Lagerung und der Umgang mit Blei im Haushalt und beim Angeln stellt gesundheitliche Risiken dar. So sind bereits 2017 die Sets zum Bleigießen an Silvester aus dem Handel verschwunden. Im April 2018 traten neue Bleigrenzwerte in der EU in Kraft. Diese werden durch die europäische Chemikalienverordnung festgelegt. Außerdem gibt es seit 2018 auch eine neue Verordnung zu Blei in Spielzeug. Davon betroffen sind Fingerfarben, Buntstifte und Wasserfarbkästen. Bisher waren bleihaltige Produkte beim Angeln von dieser Regelung ausgenommen.

Geschätzte 5000 Tonnen Blei werden im Angelsektor jährlich in der EU verkauft, dazu kommt noch eine unbekannte Menge von selbst gegossenen Bleibeschwerungen.[6] 25% davon werden in der EU produziert der überwiegende Anteil 75% importiert.

Blei ist günstig zu erwerben, sowie finden sich im Internet und den sozialen Medien zahlreiche Anleitungen zum Selbergießen von Gewichten und beschwerten Haken (z.B. Jigköpfe) inklusive der notwendigen Gussformen. Eine Praxis die laut ECHA enorme gesundheitliche Risiken birgt. Beim Erhitzen von Blei verdampfen Bleioxide, die von umstehenden Personen eingeatmet werden können. Dadurch können Schädigungen sowohl an Nervensystemen, Hirn, Niere als auch der Leber entstehen.

Ein Verkaufsverbot von bleihaltigen Beschwerungen und Ködern könnte Angler in Zukunft dazu bewegen, ihre Köder und Gewichte vermehrt zu Hause selbst zu gießen.

Am Ende der ECHA-Studie[7] heißt es: „Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Risiko bei der Verwendung von Blei beim Angeln mit einer Einschränkung beim Handel und der Verwendung signifikant reduziert werden kann.“.

Alternativen zu Blei

Mittlerweile bieten die Angelgerätehersteller und der Handel zahlreiche Alternativen zu Blei an. Beim Angeln kommt es darauf an den Köder in einer gewissen Tiefe anzubieten. Dazu sollte er in einer gewissen Geschwindigkeit absinken und die Gewichte dürfen nicht zu groß sein. Das einzig entscheidende Kriterium hierfür kommt aus der Physik. Die Dichte des verwendeten Materials beschreibt wie viel Masse ein Körper auf ein definiertes Volumen besitzt. Durch die hohe Dichte von Blei (11,34 g/cm3), können diese Körper relativ klein ausfallen, was diesen Stoff sehr interessant für die Angelfischerei macht. Das einzige Element welches eine höhere Dichte als Blei hat, dabei umweltverträglicher und zumindest einigermaßen bezahlbar ist, ist Wolfram (19,26 g/cm3) und auch unter dem Namen Tungsten bekannt. Somit weist Wolfram in vielen Anwendungen beim Angeln sogar bessere Eigenschaften auf als Blei. Es ist daher nicht verwunderlich, dass beim Fliegenfischen für die Beschwerung von Fliegen heutzutage fast ausschließlich Wolfram Verwendung findet. Wolfram ist aber deutlich teurer als Blei, was sich insbesondere bei schweren Gewichten negativ auswirkt. Dazu ist Wolfram extrem hart und hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle. Wolfram wird in einer Studie[8] auch eine gute Umweltverträglichkeit bescheinigt.

Daneben besteht auch die Möglichkeit, verschiedene Stoffe miteinander zu mischen und somit die positiven Eigenschaften einzelner Stoffe zu kombinieren. Mischungen können den Einsatz teurer Rohstoffe verringern und/oder physikalische Nachteile ausgleichen. Als Beispiel gibt es im Fachhandeln mittlerweile „Elastic Tungsten“, Klemmbleie aus Zinn oder Beschwerungen aus Legierungen (also Gemische von zwei oder mehreren Metallen). Die Liste lässt sich mit zahlreichen Produkten aus Stein, Eisen, Messing, Zamak oder Glas beliebig fortführen.

Bild2Blei kann in verschiedenen Größen und Formen gegossen werden, wodurch es beim Angeln sehr flexibel einsetzbar ist.

Es bleibt offen, welcher Stoff die entsprechenden Eigenschaften besitzt, Blei in den Regalen zu ersetzen und gleichzeitig die Vorteile des geringen Preises sowie der breiten Anwendungsvielfalt mit sich bringt. In der Tendenz wird es wohl vielmehr auf verschiedene anwendungsspezifische Produkte hinauslaufen, welche in dem jeweiligen Einsatzbereich eine Alternative zu Blei darstellen.

Aus Sicht des DAFV ist es entscheidend, die Angler für die Nutzung von alternativen Produkten in der Zukunft noch stärker zu sensibilisieren. Ein mögliches zukünftiges Verbot für die Verwendung von Blei sollte für eine breite Akzeptanz unter Anglern mit einer Übergangsphase einhergehen. So gab es bereits im Juni 2015 eine freiwillige Selbstverpflichtung der European Tackle and Trade Association (EFTTA) bis zum Jahr 2020 alternative Produkte zu verwenden, insofern diese schwerer als 0,06 Gramm sind.

Wie stehen Angler zu dem Thema?

Im Jahr 2019 wurde eine Studie[9] vom Thünen Institut für Ostseefischerei im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Kooperation mit dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG M-V) und dem Deutschen Angelfischerverband e.V. (DAFV) zum Thema „Bedeutung und Bewertung von Meeresmüll aus der marinen Freizeitfischerei und Maßnahmen zur Vermeidung“ durchgeführt.

Da der Eintrag von Blei in die Gewässer als umweltrelevant einzuschätzen ist, wurde das Thema Angelblei im Rahmen der Studie besonders berücksichtigt. Hierbei kannten 70 % der befragten Personen Alternativen zu Bleigewichten (z. B. Gewichte aus Stein, Stahl, Wolfram). 34 % dieser Personen nutzen diese alternativen Materialien sogar regelmäßig. Weitere 41 % der Befragten nutzten solche Materialien nur gelegentlich und 25 % der Befragten gar nicht, obwohl sie ihnen bekannt waren.

Aus Sicht des DAFV zeigt diese Studie, dass die Mehrheit der Angler für dieses Thema schon längst ein Bewusstsein entwickelt haben und viele Angler bereits solche alternativen Produkte zumindest gelegentlich nutzen.

Angel-Influencer Matzke Koch hat zu dem Thema eine klare Meinung: "Seit ich Diesel fahre, spielt das Wort "bleifrei" bei mir nur noch eine untergeordnete Rolle. Mein Kinderbett war in krass bunten Farben angemalt, die Cadmium, Blei und andere Stoffe enthielten, die man heute nicht mehr verwenden würde. Fieberthermometer verstreuten viele lustige bunte Kugeln im Kinderzimmer, wenn sie zerbrachen. Heute undenkbar, weil man das als brandgefährlich erkannte. Der Mensch wird umweltbewusster.

Ob jede Maßnahme Sinn macht oder eher Unsinn ist, kann man leider nicht immer bis ins letzte Detail klären. Vieles bleibt unvorhersehbar.

Blei ist seit einigen Jahren als gefürchteter Giftstoff im Wasser im Gespräch, und einige der skandinavischen Länder haben sich längst davon verabschiedet. Ob denn Blei die Wasserqualität überhaupt negativ beeinflussen kann, weiß niemand so genau, es ist wohl eher unwahrscheinlich, immerhin ist Blei ein natürliches Element, und wir haben Jahrzehnte lang aus Wasserleitungen trinken müssen, die aus Blei gefertigt waren. Ob das Kupfer - heute gang und gäbe - so viel besser ist, weiß ebenfalls noch niemand. 

Eines aber scheint unbestritten: Tiere können Blei aufnehmen, und das ist extrem schädlich, weil die Verdauungssäuren es gefährlich in den Körper transportieren. Das weiß ich als gelernter Drucker, der noch kurz die Phase vom "Bleisatz" miterlebt hat, sogar sehr gut. Die Setzer hatten damals nicht selten die Gelbsucht, Folge einer Bleivergiftung. Es galt als Berufskrankheit, weil sie täglich mit Bleilettern hantierten.

P152205634343Angel-Influencer Matze Koch beweist es geht auch "bleifrei"! Foto: Matze Koch

Darum sollte der umwelt- und naturbewusste Angler sich Neuerungen gegenüber nicht bockig verschließen und am Blei festhalten, wie ein Kind, dem man den Schnuller entreißen will. Wenn wir das Angeln in die Mitte der Gesellschaft bringen wollen, kommt es besser an, wenn wir uns freiwillig bereiterklären dem Blei auf Wiedersehen zu sagen, als wenn man uns am Ende zwingt. Zudem es uns wenig kostet.

Die Umstellung der Angelmethoden dürfte schnell überwunden sein, größere Gummifischköpfe aus Eisen, kleinere aus Wolfram ("Tungsten") werden schnell ein gewohntes Bild werden.

Darum ermuntere ich (unabhängig von Sinn oder Unsinn solcher Schritte) mitzumachen und sich dieser Entwicklung anzuschließen. Ich fasse diesen Schritt nicht als den billigen "vorauseilenden Gehorsam" auf, dem wir Deutsche oft erlegen sind (wie z.B. beim völlig übereilten Setzkescherverbot, dem man sich unsinnigerweise angeschlossen hat!) sondern als einen Schritt der Vernunft, der uns nicht viel kostet.

Sollte es nicht allein in einem Verkaufsverbot münden, sondern auch in einem Verwendungsverbot, wäre allerdings zuvor ein grundlegendes Recycling Konzept wichtig, damit Angler am Ende die "heiße Ware" nicht unerlaubt entsorgen, was zu mehr Problemen führen könnte als vorher. Das Entsorgen sollte man auch entgelten, denn ein Kilo Blei wird mit rund 1,50€ gehandelt. Bei vielen Anglern kommen sicher schnell 10kg zusammen, die entsorgt werden müssen.

Wir sollten daher den Weg mitgehen, das Blei nach und nach aus unserem üblichen Gebrauch verschwinden zu lassen. Die Jäger haben diese Entwicklung bei Schrotmunition übrigens schon weitgehend hinter sich. Wobei ich persönlich für ein Verkaufs- aber nicht für ein rigoroses Nutzungsverbot plädieren würde. Eine Übergangszeit von drei bis fünf Jahren wird ohnehin nötig sein.", so Matze Koch.

Was sagt die Industrie?

Olivier Portrat, Präsident der European Tackle and Trade Organisation (EFFTA): „Wir wollen nach vorne denken. Wo immer wir schädliche Einträge in die Umwelt vermeiden können, werden wir das tun. Viele Hersteller bieten schon heute eine Reihe von alternativen Produkten zum Blei als Beschwerung beim Angeln. Ohne saubere Gewässer und gesunde Fischbestände hätten wir gar keine Existenzgrundlage, somit liegt es in unserem ureigenen Interesse, unnötige Einträge schädlicher Stoffe in die Gewässer wo immer möglich zu vermeiden.“.

Jens Puhle, Geschäftsführender Gesellschafter von der Firma Lieblingsköder sieht das ähnlich: „Wir haben ein Forschungsprojekt mit der Universität Ilmenau und Zulieferern aufgesetzt, um die Alternativen systematisch zu analysieren. Das Thema Portfolioumstellung ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Für echte Alternativen müssen wir neben der gesundheitlichen und ökologischen Dimension auch die Usability und die wirtschaftlichen Effekte im Blick haben, damit der Markt den Wandel auch mitgeht. Angeln ist ein Jedermann-Sport und das soll auch so bleiben. Leiden Nutzerfreundlichkeit und steigen die Preise zu hoch, drohe ein Schwarzmarkt für Blei mit allen, auch aus der Vergangenheit bekannten Risiken. Wir wollen mit echten Alternativen zu einem nachhaltigen Wandel beitragen und nehmen dafür eine längere Entwicklungszeit in Kauf. Von schnellen Scheinlösungen hat keiner etwas.“

Warum bringt der DAFV das Thema überhaupt auf?

Weil es jetzt Zeit dafür ist. Der Prozess läuft und lässt sich auch durch Nichtbeachtung nicht mehr rückgängig machen. Es ist immer noch Zeit, gute Argumente vorzubringen und in den Entscheidungsprozess einfließen zu lassen - “Der Drops ist noch nicht gelutscht“.

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Die nächsten Schritte der ECHA

Von März 2021 bis zum September 2021 startet die Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung der ECHA über den Zeitraum von 6 Monaten. Interessierte Kreise, die sich möglicherweise dazu äußern möchten, sind Unternehmen, Organisationen, die die Industrie oder die Zivilgesellschaft vertreten, einzelne Bürger sowie Behörden. Weitere Informationen dazu sind auf der ECHA Webseite unter: https://echa.europa.eu/de/consultations-restrictions-related zu finden. Im Ersten Quartal 2022 wird das sogenannte „Restriction Proposal“ zum Thema Blei dann der EU-Kommission zur Entscheidung vorgelegt.

Wenn wir Angler gute Argumente vorbringen, um Blei weiterhin verwenden zu dürfen, ist es entscheidend diese Argumente sachlich in dieser Phase vorzulegen. Der DAFV versteht sich als Interessenverband für Angler, aber nicht als Verband von „alternativen Fakten“. Wir erkennen auch die Bemühungen der ECHA an, indem sie die Vertreter der Industrie, Händler, Verbände frühzeitig und konstruktiv informierten und versuchen, diese in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden. Dazu gibt es eine Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der alle Interessenvertreter inklusive jeder Anglerin und jedem Angler seine Meinung einbringen kann. Im Vergleich zu den USA erkennt der DAFV an, dass die EU die Interessenvertreter frühzeitig einbindet und am Entscheidungsprozess beteiligt.

Scott Gudes, der Vizepräsident für Regierungsangelegenheiten der American Sportfishing Association (ASA), beschwerte sich über das Bleiverbot in den USA seinerzeit wie folgt: „[…] die Entscheidung zum Verbot wurde ohne Anhörung des Angelgeräte-Fachhandels, anderer Angelorganisationen oder staatlicher Fish & Wildlife Büros gefällt.“ Den Vorwurf können wir der EU nicht machen und wir stehen immer noch am Anfang des Entscheidungsprozesses. Daher ist es Aufgabe des DAFV zu diesem Zeitpunkt die Anglerschaft in Deutschland frühzeitig zu informieren.

Man kann viele Argument der ECHA in Zweifel ziehen, die Studienlage ist nicht zwingend und lässt aus unserer Sicht in vielen Aspekten keine klaren Schlussfolgerungen im Sinne Ursache-Wirkung zu. Auf der anderen Seite scheint es unvorstellbar, dass die Öffentlichkeit dem Angeln auf Grundlage der aktuellen Informationen einen Freibrief für den unbestreitbaren Eintrag von Blei in unsere Gewässer langfristig ausstellt. Recht haben und recht bekommen sind bekanntlich zweierlei paar Schuhe. Eine grundlegende Verweigerungshaltung, sich dem Thema zu stellen, wird langfristig wohl nur Verlierer hinterlassen. Dem Anschein, dass es möglicherweise schädlich sein könnte und dazu über tausende von Jahren in den Gewässern überdauert, kann man wohl kaum etwas entgegensetzen. Es gibt ganz sicher keinen gleichwertigen Ersatz für das Blei beim Angeln. Auf der anderen Seite gibt es in Dänemark bereits seit 22 Jahren ein Bleiverbot und es ist uns nicht bekannt, dass dort das Angeln nicht mehr möglich wäre – im Gegenteil.

Deutscher Angelfischerverband e.V.

Bei den schweren Gewichten kommt es nicht auf so sehr darauf an, dass das Gewicht möglicherweise etwas größer ist, bei den sehr leichten Beschwerungen wie z.B. beim Fliegenfischen hat Wolfram das Blei schon vor vielen Jahren auch ohne Verbote verdrängt. Auch für Klemmbleie gibt es Lösungen wie z.B. elastic Tungsten. In einigen Grenzbereichen wird es auf geeignete Innovationen der Industrie ankommen, aber auch da machen die Hersteller über Verbundstoffe und andere Erfindungen Hoffnung. Wenn wir es geschickt anstellen und die EU eine geeignete Übergangsfrist gewährt, bleibt auch noch ausreichend Zeit für alle Beteiligten, sich darauf einzustellen. Vielleicht freuen sich ja die Influencer darauf, den Gelegenheitsanglern in neuen Videos nahezubringen, wie man auch ohne Bleibeschwerung genauso gut an seinen Fisch kommt.

Es bedarf einer gemeinsamen übergreifenden Anstrengung von Geräteherstellern, Handel, Fachpresse, Influencern, Verbänden und Vereinen, mehr alternative Produkte zu entwickeln, deren Verwendung zu erklären und die Angler generell für das Thema zu sensibilisieren. Alle Beteiligten sollten ausreichend Zeit haben, sich auf ein mögliches Verkaufs- bzw. Verwendungsverbot von Blei beim Angeln in der EU einzustellen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung über den Zeitraum von sechs Monaten im Jahr 2021 wird die EFTTA, EAA und der DAFV die weitere Entwicklung und die Ausgestaltung des „Restriction proposal“ sowohl konstruktiv als auch kritisch begleiten. Eine langfristige Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Umgang mit und dem Eintrag von Blei durch Angler in unsere Gewässer wird es sicher nicht geben. Eine fundamentale Blockadehaltung der Angler in Deutschland würde aus Sicht des DAFV der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Freizeitfischerei in Deutschland schweren Schaden zufügen. Der DAFV hat die Freizeitfischerei als „High value, low impact“ Aktivität, also viel Nutzen bei einem niedrigen schädlichen Einfluss für die Umwelt, positioniert. Ein Umdenken der Anglerschaft im Zusammenhang mit der Verwendung von Blei kann langfristig beide Aspekte bestärken. Fortschritt heißt Wandel, und diesem schließen sich immer Veränderungsprozesse an - in jedem Neuanfang liegt auch eine Chance!

 

[1] ECHA (2018). Annex XV Investigation report. A review of the available informations on lead in shot used in terrestrial environments, in ammunition and in fishing tackle. European Chemicals Ageny, Helsinki, Finnland.

[2] Hansen, E., Lassen, C., & Elbaek-Jørgensen, A. (2004). Advantages and drawbacks of restricting the marketing and use of lead in ammunition, fishing sinkers and candle wicks. European Commission, Directorate General Enterprise, Brussels

[3] ECHA/NR/21/07 „Towards sustainable outdoor shooting and fishing – ECHA proposes restrictions on lead use”, URL aufgrufen am 11.02.2021: https://echa.europa.eu/de/-/towards-sustainable-outdoor-shooting-and-fishing-echa-proposes-restrictions-on-lead-use

[4] Grade, T. J., Pokras, M. A., Laflamme, E. M., & Vogel, H. S. (2018). Population‐level effects of lead fishing tackle on common loons. The Journal of Wildlife Management, 82(1), 155-164.

[5] Wood, K. A., Brown, M. J., Cromie, R. L., Hilton, G. M., Mackenzie, C., Newth, J. L., Pain, D. J., Perrings, C. M., & Rees, E. C. (2019). Regulation of lead fishing weights results in mute swan population recovery. Biological Conservation, 230, 67-74.

[6] ECHA (2018). Annex XV Investigation report. A review of the available informations on lead in shot used in terrestrial environments, in ammunition and in fishing tackle. European Chemicals Ageny, Helsinki, Finnland.

[7] ECHA (2018). Annex XV Investigation report. A review of the available informations on lead in shot used in terrestrial environments, in ammunition and in fishing tackle. European Chemicals Ageny, Helsinki, Finnland.

[8] Strigul, N., Koutsospyros, A., Arienti, P., Christodoulatos, C., Dermatas, D., & Braida, W. (2005). Effects of tungsten on environmental systems. Chemosphere, 61(2), 248-258.

[9] Lewin, W.-C., Weltersbach, S., Denfeld, G., & Stehlow, H. (2019) Bedeutung und Bewertung von Meeresmüll aus der marinen Freizeitfischerei und Maßnahmen zur Vermeidung. Thünen Institut für Ostseefischerei (TI-OF), Rostock, Bericht erstellt im Auftrag des NLWKN in Kooperation mit dem LUNG M-V und dem Deutschen Angelfischerverband e.V.

Letzte Änderung am Dienstag, 16 Februar 2021 09:05
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