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Deutscher Fischereitag 2018

Dr. Christel Happach-Kasan eröffnet den Deutschen Fischereitag 2018 in Lübeck
Dr. Christel Happach-Kasan eröffnet den Deutschen Fischereitag 2018 in Lübeck Foto: DAFV, Olaf Lindner

Dr. Christel Happach-Kasan eröffnet den Deutschen Fischereitag 2018 in Lübeck. Neben hochrangigen Vertretern aus Politik und Wissenschaft waren zahlreiche Teilnehmer aus den Bereichen Angeln, Fischerei, Aquakultur und Naturschutz der Einladung nach Lübeck gefolgt. Happach-Kasan verdeutlicht unter anderem die anhaltenden massiven Schäden durch Kormorane an deutschen Gewässern und spricht sich wiederholt für die Notwendigkeit eines europäischen Managementplanes für Kormorane aus.

 Nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände in Nord- und Ostsee

20180828 DFT2018 0151280px Dirk Sanders weist auf der Eröffnungsveranstaltung als Vizepräsident des Deutschen Fischerei-Verbandes (DFV) in Vertretung für den erkrankten Holger Ortel auf die Bedeutung der Fischerei für Deutschland hin. Er spricht sich dafür aus, alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen die Fischerei mit ihrer Jahrhunderte alten Tradition und zukunftsweisenden Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung in Deutschland zu erhalten. Er stellt die nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände in Nord- und Ostsee heraus. Er weist auf die Zielkonflikte zwischen übertriebenem Naturschutz auf der einen und den Problemen der Fischerei auf der anderen Seite, insbesondere für Tierarten wie Kormorane, Robben, Otter oder Bieber, hin.

Im Zuge der fehlenden Unterstützung sei ein Ende der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Kutterflotte absehbar. Sander spricht sich gegen zusätzliche Kontrollen für Fischerei und Angler als unverhältnismäßige bürokratische Hürden aus. Dazu zeigen sich die Berufsfischer mit den Anglern für eine gleichberechtigte Erhöhung des bag-limit (Tagfanglimit) für den Dorschfang in der westlichen Ostsee solidarisch.

„Die Angler haben sich erwiesenermaßen an dem Schutz der Dorschbestände beteiligt, so ist es nur folgerichtig, sie auch gleichberechtigt an einer Erhöhung der Quoten zu beteiligen“, so Sanders.

Kritisch äußerte Sander sich über die öffentliche Berichterstattung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), 90% der Fischbestände in der Nordsee wären überfischt. Eine nachträgliche Klarstellung dieser Falschaussage wurde aus der Sicht der Fischerei mit einer lapidaren Begründung seitens des BfN erklärt.

Dirk Sanders vom DFV

Weltmeister im Ausweisen von Sperrgebieten

Sanders spricht sich gegen die übertriebene Ausweisung von Meeresschutzgebieten aus: „Man will sich wohl weltweit als größter Ausweiser von Sperrgebieten profilieren“. Eine Erhaltung der Fanggebiete in Flüssen, Seen und Meeresgebieten wird auch in Zukunft das erklärte Ziel sein.

Sanders weist aber auch auf die Bedeutung der Fischerei für die Ernährung der Bevölkerung hin. Als Quelle für tierisches Protein hat der selbstgefangene Fisch die beste Ökobilanz aller Lebensmittel. Die Behauptung von Greenpeace, dass die Fischerei nicht nachhaltig ist, stellt Sander mit der Aussage, dass gerade einmal 1% der verfügbaren Biomasse für die menschliche Ernährung von der Fischerei pro Jahr entnommen werden in Zweifel.

Er fordert auf, den mafiösen Strukturen beim illegalen Glasaalfang ein Ende zu setzen. Zumindest waren im Jahr 2018 die Glasaalfänge besser als in den Jahren zuvor.

Nirgendwo hat es so viele Tote gegeben

In einer emotionalen Ansprache spricht er sich für die wichtige Bedeutung der Fischerei für die Menschen aus. „In keiner Berufsgruppe, die Menschen ernährt, hat es so viele Tote gegeben wie bei der Fischerei. Wenn der Vater ertrunken ist, hat der Sohn das Schiff weitergeführt“.

Der neue Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Michael Stübgen, sagt zu, sich für eine Fortführung des Fanges von Heringen einzusetzen. Der Hering gilt als Brotfisch der Fischer, zu dem es keine Alternativen gibt.

20180828 DFT2018 0421280pxMichael Stübgen, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Julia Klöckner sagt Anglern Unterstützung in Brüssel zu

Erfreulich sei die Erholung der Dorschbestände in der westlichen Ostsee. Er verteidigt die Entscheidung, die Freizeitfischerei in die Verantwortung für die Erholung der Dorschbestände mit einem Tagfanglimit einzubeziehen. „Wir haben aber auch Verständnis für die Forderung der Freizeitfischer von der Erholung der Bestände zu profitieren. Julia Klöckner wird sich nachdrücklich und persönlich für eine Gleichbehandlung der Berufs- und Freizeitfischer in den Verhandlungen in Brüssel einsetzen“, sagte Stübgen unter dem Applaus der anwesenden Zuhörer.

Novelle der Fischereikontrolle

Es wurde nur eine kleine Anpassung der bestehenden Regelung erwartet, wobei dann eine umfangreiche Novelle kam. Auch die Kontrollen der Freizeitfischerei sollen so einfach wie möglich und unbürokratisch bleiben.

Ein besonderes Lob sprach Stübgen den Anglern und Fischereiverbänden für die umfangreichen Besatzmaßnahmen beim Aal aus.

Mit Daniel Günter erwies der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein den Angel- und Fischereivertretern persönlich die Ehre.

Daniel Günter, Ministerpräsident von Schleswig-HolsteinDaniel Günter, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein

Günter sagt den Fischern seine Unterstützung zu und weist darauf hin, dass die Fischerei untrennbar zur Identität von Schleswig-Holstein gehört. „Unser erklärtes Ziel in Deutschland ist es, die Fischerei in Schleswig-Holstein zu erhalten.“. Er erlebt es immer wieder, dass Naturnutzer wie Angler und Fischer in vorderster Front auch Naturschützer sind. Günter stellt Nachbesserungen für die geltende Kormoranverordnung in Aussicht und spricht sich für eine Bestandsregulierung von Kormoranen, anstatt von Ausgleichszahlungen aus. Er fordert die anwesende Ulrike Rodust (Mitglied des Europäischen Parlamentes) auf: „Es ist das erklärte Ziel nachdem es schon zwei Beschlüsse auf europäischer Ebene gab, zu einer Verordnung für eine Bestandsregulierung der Kormorane auf europäischer Ebene zu kommen.“

Sabine Schwarte beschließt als stellvertretende Vorsitzende der Binnen- und Teichfischerei die Rednerliste mit einem bitteren Fazit: „Meine Familie ist seit 900 Jahren Fischer, aber ich bin das letzte Glied, weil die Fischerei in Schleswig-Holstein aussterben wird.“

Sie sieht eine negative Entwicklung in der Lösung von Problemen wie den Kormoranschäden über Ausgleichszahlungen. Der Schutz der Fischarten bleibt dabei auf der Strecke. „Während die Ausbreitung der Otter im Rahmen von Ottertunneln in Brücken über Steuergelder finanziert wird. So bleiben die fischereiwirtschaftlichen Betriebe auf den Kosten für die notwendige Einzäunung ihrer Gewässer auf den Kosten sitzen.“ beklagt Schwarte.

Der DAFV begrüßt, dass am Rande der Veranstaltung die Vertreter der Anglerdemo vom Balkon des Veranstaltungsraumes gegen die ungerechtfertigten Angelverbote in den Meeresschutzgebieten protestieren. Auf den T-Shirts der aufgereihten Vertreter auf dem Balkon war der Satz „Ja zum Angeln“ zu lesen.

Protest der Anglerdemo gegen ungerechtfertigte Anglerverbote in der OstseeProtest der Anglerdemo gegen ungerechtfertigte Anglerverbote in den Meeresschutzgebieten der Ostsee

Der DAFV konnte dem Verlauf und den Zusagen, die auf dem Deutschen Fischereitag 2018 für Angler gemacht wurden viel Positives abgewinnen. Auch in den folgenden Fachvorträgen spielte das Thema Angeln eine zentrale Rolle. Es bleibt abzuwarten, ob den Zusagen nun auch Taten und Ergebnisse für die Angler in Deutschland folgen.

Letzte Änderung am Freitag, 07 September 2018 12:20
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