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Angeln in der Mitte der Gesellschaft – jetzt auch im Fokus der Wissenschaft

Angeln in der Mitte der Gesellschaft
Angeln in der Mitte der Gesellschaft Foto: DAFV, Johannes Arlt

Der Deutsche Angelfischerverband e.V. hat die wichtige Bedeutung, die positiven Werte der Angelfischerei einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, erkannt und in allseinen jüngsten Projekten berücksichtigt. Wissenschaftler bestätigen und stärken nun unsere Bemühungen, das „Angeln in der Mitte der Gesellschaft“ mit öffentlichen Kampagnen und Initiativen weiter zu etablieren.

Prof. Dr. Robert Arlinghaus und Erstautor Dr. Carsten Riepe haben in ihrer neusten Veröffentlichung, erschienen vom 22.11.2021 in der Zeitschrift für Fischerei (FischZeit), die öffentliche Wahrnehmung der Freizeitfischerei mit der Angel in den alten und neuen Bundesländern verglichen. Anlass der Untersuchung war, dass die Freizeitfischerei in Deutschland sowie auch in anderen entwickelten Ländern oftmals aus Tier- oder Naturschutzgründen in der Kritik steht. Für einen sachlichen Diskurs und zur Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung zum Thema Angeln ist das Wissen um die gesellschaftliche Akzeptanz von enormer Bedeutung. Darüber hinaus haben die Studienautoren vermutet, dass Unterschiede der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den neuen und alten Bundesländern zu unterschiedlichen Perspektiven auf die Angelfischerei geführt haben könnten.

Gegenstand der Untersuchung

Untersuchungsgrundlage ist eine in 2008 (also knapp zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung) erhobene repräsentative Umfrage der Bevölkerung. Obwohl Auszüge dieser Daten bereits im Jahr 2014 veröffentlicht wurden, fehlte eine Untersuchung hinsichtlich der Fragestellung, ob sich die Akzeptanz der Angelfischerei zwischen den neuen und alten Bundesländern maßgeblich unterscheidet. Die spezielle Bedeutung dieser Frage ergab sich aus der Tatsache, dass es erst nach mehr als 20 Jahre nach der Wende möglich war einen gemeinsamen Dachverband - den Deutschen Angelfischerverband e.V. - aus beiden bestehenden west- und ostdeutschen Angler dominierten Verbänden (VDSF und DAV) zu formieren. Die Wissenschaftler vermuten, dass einer der Gründe für den langwierigen Vereinigungsprozess in den teilweise unterschiedliche Haltungen zu tierschutzrelevanten Angelpraktiken (z.B. Wettangeln, Setzkescher oder auch Catch-and-Release) lag. Auch wenn die Anglerschaft in den neuen und alten Bundesländern nicht das Groß der Bevölkerung ausmacht, so gibt es doch eine Reihe von Ereignissen (z.B. „tierschutzrechtliche Revolution“ in den 70igern), die zu ganz unterschiedlichen Sozialisierungen der Bevölkerung in der alten Bundesrepublik und der ehemaligen DDR führten.

Moralische Akzeptanz der Angelfischerei

Die Wissenschaftler kommen in ihrer Umfrage aus dem Jahre 2008 zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte (61%) der Bevölkerung eine neutrale beziehungsweise positive Haltung gegenüber der Angelfischerei besitzt. Speziell wenn die Ausübung der Angelfischerei aus Hegegesichtspunkten praktiziert wird, ist die moralische Akzeptanz gegenüber der Angelfischerei bei der Bevölkerung erhöht. Im Vergleich zwischen den neuen und alten Bundesländern wird jedoch ersichtlich, dass die Angelfischerei zum Verzehr des Fangs sowie zur Wiederherstellung eines ökologischen Gleichgewichts in den neuen Bundesländern stärker akzeptiert wird als in den alten Ländern.

Image der Angelfischerei

Generell zeigt sich auch hier, dass die befragte Bevölkerung der Meinung ist, dass Angeln eine vom Alltagsstress entspannende Funktion besitzt sowie, dass Angler durch Hege und Pflege Maßnahmen einen sehr wertvollen Teil für den Schutz unserer Gewässer und deren Fischbestände beitragen. Weiterhin wird den Anglern durch die Ausübung ihres Hobbys ein verbessertes Verständnis für Umweltprobleme zugeschrieben. Diese positiven Aspekte des Angels werden weiterhin bestärkt, indem ein generelles Angelverbot aufgrund erhöhter ökologischer Kosten (z.B. Überfischung) abgelehnt wird. Aber auch bei den hier genannten Aspekten zeigt sich, dass die Angelfischerei durchwegs positiver in den neuen Bundesländern aufgefasst wird als in den alten Ländern.

Wahrnehmung der Angelfischerei in Deutschland

Zusammenfassend zeigen die Autoren, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine positive bzw. neutrale Haltung gegenüber der Angelfischerei in der Freizeit besitzt. Speziell die Ausübung der Angelfischerei zur Verbesserung von Ökosystemen wird der eigentlichen Verzehrabsicht des Fanges vorgezogen, wobei beide Gründe durch die Bevölkerung moralisch durchwegs akzeptierte Motive sind. Unterschiedliche Sozialisierungsbedingungen der neuen und alten Bundesländer führten jedoch dazu, dass selbst 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch systematische Unterschiede in der Wahrnehmung bezüglich der Angelfischerei zu finden sind. Somit sind Menschen in den neuen Ländern dem Angeln in den meisten Aspekten wohlwollender gestimmt sind, da sie in engerem Kontakt mit ihrer umgebenen Natur stehen und diese wertschätzen. Dies wird speziell dem damaligen hohen Bevölkerungsanteil in der Primärproduktion von Lebensmitteln zugeschrieben. Insbesondere sei die Bevölkerung der alten Bundesländer geprägt durch einen respektvollen Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt um sie herum und pflegen einen „pragmatischen Zugang“. Solange es dem Zugang von Nahrung dient, ist die Ausübung der Jagd oder Angelfischerei gesellschaftlich akzeptiert, ohne dem Tierschutz eine übergeordnete Rolle zuzuschreiben. Im Vergleich haben Menschen in den alten Ländern weniger Zugang zur Natur sowie der Primärproduktion von Nahrung, was sich in einer größeren Distanz zwischen beiden äußert. Dementsprechend stehen diese Menschen, auch wenn durchaus gesellschaftlich akzeptiert, weniger wohlwollend als die neuen Bundesländer der Angelfischerei gegenüber.

Fazit

Die Wissenschaftler ziehen hierbei mehrere Schlussfolgerungen aus ihrer Untersuchung für die Praxis:
- Die gesellschaftliche Einstellung und Norm hat maßgeblichen Einfluss auf die Akzeptanz der angelfischereilich Nutzung von Fischbeständen.
- Die Angelfischerei in den neuen Bundesländern besitzt eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz als in den alten Bundesländern
- Zukünftige Verschärfungen der angelfischereilichen Gesetzgebungen seitens der Politik sind dementsprechend in den alten Bundesländern wahrscheinlicher als in den neuen Bundesländern zu erwarten.
- In Anbetracht dieser Ergebnisse empfehlen die Wissenschaftler den Interessensvertretungen der Angelfischerei die öffentliche Anerkennung hinsichtlich der Bedeutung und Leistungen der Angelfischerei mit Hilfe von Informationskampagnen sowie anderen öffentlichkeitswirksamen Initiativen zu steigern – speziell auch in den alten Bundesländern.

Angeln in der Mitte der Gesellschaft

Wir als Deutscher Angelfischerverband e.V. setzen uns seit jeher dafür ein, die Werte der Angelfischerei der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln und weiter in die Mitte der Gesellschaft zu etablieren. Mit unseren Kampagnen wie „Catch & Cook - Iss deinen eigenen Fisch“, Gewässer-Verbesserer, #gehangeln oder Protect Water leisten wir einen wichtigen Beitrag die Wahrnehmung der Angelfischerei in der Bevölkerung zu steigern. Umso mehr freut es uns, dass nun selbst die Wissenschaft dazu aufruft die Bedeutung der Angelfischerei mit öffentlichkeitswirksamen Initiativen weiter in den Vordergrund zu rücken und zeigt gleichzeitig, dass wir mit unseren Projekten wichtige Eckpfeiler zur verbesserten Akzeptanz der Angelfischerei in Deutschland setzen.

Wer mehr über die unterschiedliche Wahrnehmung der Angelfischerei in den neuen und alten Bundesländern erfahren will, findet den gesamten Artikel von Prof. Dr. Robert Arlinghaus und Dr. Carsten Riepe unter folgendem Link.

Letzte Änderung am Donnerstag, 25 November 2021 13:30
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Der Deutsche Angelfischerverband e.V. besteht aus 26 Landes- und Spezialverbänden mit ca. 9.000 Vereinen, in denen insgesamt rund 500.000 Mitglieder organisiert sind.

 

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