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„Energiewende nicht auf Kosten der aquatischen Biodiversität“ – Dringende Empfehlung von 65 Fachwissenschaftler*innen an die Bundespolitik

unzählige Wasserkraftanlagen in Deutschland befinden sich in einem maroden Zustand, verhindern die Fischwanderung  und sind nur unzureichend gegen Fischschäden geschützt.
unzählige Wasserkraftanlagen in Deutschland befinden sich in einem maroden Zustand, verhindern die Fischwanderung und sind nur unzureichend gegen Fischschäden geschützt. Foto: DAFV, Olaf Lindner

Der DAFV berichtete schon mehrfach, dass speziell die kleine Wasserkraft (1 Megawatt Maximalleistung) mit ihren ca. 7.800 Anlagen erhebliche Schäden in unseren Gewässern anrichtet. Darüber hinaus tragen diese Anlagen weniger als 0,5% zur Stromerzeugung in Deutschland bei und spielen somit für die Energiewende und den Schutz des Klimas eine unbedeutende Rolle. Nun appellieren auch 65 Fachwissenschaftler*innen aus 30 wissenschaftlichen Institutionen an die Bundespolitik und empfehlen dringend eine Beendigung der staatlichen Förderung von unwirtschaftlichen, umweltschädlichen und nicht ökologisch sanierbaren Kleinwasserkraftwerke über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder anderer Subventionen. Der Betrieb solcher Kleinwasserkraftwerken sei wesentlich für die Verfehlungen der Umweltziele im Biodiversitäts- und Gewässerschutz verantwortlich.

Zusammenfassend informieren die Wissenschaftler in einem wissenschaftlichen Memorandum über die politischen Konflikte zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz bei der Nutzung von Wasserkraft und stellen Lösungsvorschläge, die Zusammenhänge und Hintergründe vor. Insgesamt formulieren die Wissenschaftler sieben umweltpolitische Initiativen:

  • Einzelfallprüfungen, ob die Anforderungen an Mindestwasserführung, Durchgänigkeit und Fischmortalität dem Stand der Technik entsprechen
  • Generelle Beendigung staatlicher oder EEG-Umlagen-Förderung von allen Kleinwasserkraftwerken (1 MWmax), sowie gewässerabhängige Beendigung bei mittelgroßen Wasserkraftwerken (1-10 MWmax) an ausgewählten Flüssen
  • Förderung des Rückbaus von Kleinwasserkraftwerken
  • Kopplung der Gewährung staatlicher Förderung oder der EEG-Umlage bei mittelgroßen und großen Wasserkraftwerken an den ökologischen Sanierungsgrad
  • Überprüfung der Ausnahmetatbestände der EG-Wasserrahmenrichtlinie für den Betrieb kleiner und mittelgroßer Wasserkraftwerke
  • Behördliche Prüfung neuer Wasserkraftstandorte
  • Übernahme internationaler Verantwortung für ehemals heimische Arten der Gewässerfauna

Eine Umsetzung dieser Empfehlungen würde die Nutzung der Wasserkraft mit den gesetzlichen Zielen des Gewässer- und Biodiversitätsschutzes sowie die Forderung der Nationalen Wasserstrategie harmonisieren.

Das ganze Memorandum sowie die Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin finden Sie hier.
Letzte Änderung am Dienstag, 07 Dezember 2021 16:18