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Eine neue europaweite Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Prädation durch Kormorane erhebliche wirtschaftliche und ökologische Folgen für Fischbestände, die Binnenfischerei und die Süßwasseraquakultur hat. Nach Angaben der gemeinsamen Studie der European Inland Fisheries and Aquaculture Advisory Commission (EIFAAC), der European Anglers Alliance (EAA) und der Federation of European Aquaculture Producers (FEAP) belaufen sich die jährlichen wirtschaftlichen Schäden durch den Fischfraß von Kormoranen in den 26 untersuchten Ländern auf mehr als 670 Millionen Euro.

Die Studie basiert auf Daten von mehr als 300 europäischen Interessenvertretungen und Organisationen aus den Jahren 2023 und 2024. Aus Deutschland haben 49 Angelvereine und Verbände mit über 100 Einzelmeldung zum Erfolg der Studie beigetragen.

Massive Auswirkungen auf Angelfischerei und Fischereiwirtschaft

Besonders betroffen sind die Freizeit- und Binnenfischerei. Die Autoren beziffern die jährlichen Verluste auf 150 bis 220 Millionen Euro. Den Schaden für die Angelfischerei im deutschen Binnenland beziffern die Autoren auf 27 Millionen Euro. Kormorane reduzieren Fangmöglichkeiten und Bestandsgrößen und beeinträchtigen damit den Erfolg kostspieliger Besatzmaßnahmen sowie Renaturierungsprojekte, die von Angelverbänden und öffentlichen Stellen finanziert werden. Zudem investieren zehntausende ehrenamtlich engagierte Anglerinnen und Angler jedes Jahr erhebliche Zeit in Schutzmaßnahmen für Fischbestände.

Aquakulturbetriebe unter Druck

Auch die europäische Süßwasseraquakultur leidet erheblich unter dem Fraßdruck. Die gemeldeten Verluste in den untersuchten Ländern überschreiten 138 Millionen Euro jährlich, europaweit werden die Schäden auf rund 250 Millionen Euro geschätzt. Besonders Teichwirtschaften sind betroffen: Dort gehen häufig zwischen 10 und 30 Prozent der Fischbestände verloren, in Einzelfällen sogar bis zu 70 Prozent. Zusätzlich belasten Kosten für Vergrämung, Bewachung und Schutznetze die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und tragen zu Produktionsrückgängen sowie Betriebsaufgaben bei.

Gefahr für bedrohte Fischarten

Nach Einschätzung der Studienautoren reichen die Auswirkungen weit über die wirtschaftliche Ebene hinaus. Kormorane erbeuten zahlreiche Fischarten, darunter Salmoniden, Cypriniden, Barschartige, Störe und den Europäischen Aal. Betroffen sind dabei auch bedrohte und geschützte Arten. Ein anhaltend hoher Prädationsdruck kann die Erholung geschwächter Fischbestände erschweren und Erfolge von Gewässerrenaturierungen gefährden.

Europäische Lösung gefordert

Da Kormorane grenzüberschreitend wandern, erachten EIFAAC, EAA und FEAP nationale Einzelmaßnahmen als nicht ausreichend. Die Organisationen fordern eine europaweit koordinierte Umsetzung des bereits vorliegenden Rahmens für einen europäischen Managementplan für den Großen Kormoran. Dafür soll die neu eingerichtete Cormorant Management Advisory Group Wissenschaft, Behörden, Naturschutz, Fischerei und Aquakultur an einen Tisch bringen und ein wissenschaftlich fundiertes, ausgewogenes Management entwickeln.

DAFV: Handlungsbedarf auch in Deutschland

Für den Deutschen Angelfischerverband (DAFV) bestätigen die Ergebnisse viele Beobachtungen aus den Landesverbänden und Angelvereinen. Insbesondere bei bereits gefährdeten Fischbeständen sowie in aufwendig bewirtschafteten Vereinsgewässern stellt der Kormoranfraß eine erhebliche Herausforderung dar. Die vorliegende Studie liefert erstmals belastbare europaweite Zahlen und unterstreicht die Notwendigkeit eines grenzüberschreitenden Managements, das sowohl den Schutz der Vogelart als auch den Erhalt gesunder Fischbestände und aquatischer Ökosysteme berücksichtigt.

Quellen:

Gemeinsame Pressemitteilung von EIFAAC, EAA und FEAP vom 17. August 2026. eaa-europe.eu 
FAO. 2026. European inventory of fish damages caused by cormorant predation. EIFAAC Occasional paper, No. 60. Rome.https://doi.org/10.4060/ce1056en



Deutscher Angelfischerverband e.V. (DAFV)

DeutschlandkarteDer Deutsche Angelfischerverband e.V. setzt sich aus Landes- und Spezialverbänden zusammen und vereint rund 9.000 Vereine mit insgesamt über 530.000 organisierten Mitgliedern. Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung.

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